Können Sie das lesen?

Können Sie das lesen?

Dann gehören Sie also nicht zu den 7,5 Millionen Deutschen (Stand: 2012), die nicht richtig lesen und schreiben können.

Eine erschreckend hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Damals war es nämlich durchaus beabsichtigt, dass ein Großteil der Bevölkerung Analphabeten waren. Als Priester oder Adeliger hatte man Glück, denn die feinen Herrschaften wurden in der Kunst, die Schreibfeder zu schwingen, unterrichtet. Die Landbevölkerung hingegen wurde dumm gehalten. Auch heute noch scheint es wohl ein Privileg und keinesfalls selbstverständlich zu sein, lesen zu können: So hat jeder siebte Erwachsene eine Lese- und Schreibschwäche, 2 Prozent der Betroffenen können nicht einmal einzelne Wörter erkennen. Dennoch haben mehr als die Hälfte der Analphabeten in Deutschland einen festen Job.

Wer das liest, ist doof? Wohl kaum!

AnalphabetNicht lesen zu können bedeutet nämlich keinesfalls, dumm zu sein! In vielen Fällen ist die Lebenssituation, in der sich ein lernendes Kind befindet, schlicht zu kompliziert. Probleme in der Familie oder im sozialen Umfeld belasten und überfordern den Nachwuchs, so dass der Unterrichtsstoff zur Nebensache und das Lesen lernen vernachlässigt wird. Der wichtige Einstieg wird verpasst und oft ein Leben lang nicht wieder aufgeholt. Im Erwachsenenalter nimmt der Stress keinesfalls ab, denn viele Betroffene müssen regelrecht Strategien entwickeln, um ihr Defizit zu verbergen. Nur selten (15 Prozent) sind sie bereit, sich anderen anzuvertrauen oder öffentliche Bildungsangebote anzunehmen.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis, denn: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – und Hans‘ Sohn oder Tochter dann vielleicht auch nicht. Und wer als Erwachsener nicht lesen kann, wird auch seinen Kindern nicht vorlesen können und so eines der schönsten Erlebnisse, die man mit seinen Kindern teilt, verpassen.


Bildnachweise:
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