Ich sehe wen, den du nicht siehst…ein Kinder-Spiel?

Ich sehe wen, den du nicht siehst…ein Kinder-Spiel?

Ob Pippi Langstrumpf, Pumuckl oder Biene Maya – Kinder sind umgeben von fantastischen Wesen, die ihnen in Büchern und Fernsehgeschichten begegnen. Auch das Lieblingsspielzeug wird zur Person mit eigenem Namen und Charakter. Nicht selten entsteht eine so enge Bindung, dass bei Verlust des geliebten Freundes selbst ein nahezu identisches Spielzeug nicht als Ersatz angenommen wird. Dieses Verhalten ist für die meisten Eltern verständlich und wird akzeptiert. Was aber ist mit den Freunden ihres Kindes, die sie nicht sehen können?

Franz Kafka Invisible Man Statue outside Jewish Quarter in Prague

Zwei Drittel aller Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren haben einen „imaginären Gefährten“. Diese unsichtbaren Freunde treten vor allem bei Kindern auf, die (noch) keine Geschwister haben und deren Tag nicht bestimmt wird durch Sport- oder Musikvereine, Fernsehen und Computer. Kinder, die alleine spielen und ihren Tagträumen nachhängen können, verarbeiten Erlebtes, indem sie ihr Innenleben auf äußere Objekte projizieren. Für jedes fünfte der Kinder nimmt dieses Objekt die Form eines Tieres an, grundsätzlich sind der Fantasie aber keine Grenzen gesetzt; dies gilt ebenso für die teilweise übermenschlichen oder magischen Fähigkeiten der neuen Freunde.

Der unsichtbare Freund als Trostspender und Sündenbock

Neben ihrer Funktion als Spielgefährten sind „Muki“, „Elmo“ und Co. in erster Linie dazu da, ihrem kleinen, menschlichen Schützling Trost zu spenden und ihm zur Seite zu stehen. Der treue, verständnisvolle Freund beschützt die Kinder vor Monstern, die in Schatten lauern, unterstützt bei Diskussionen mit den Eltern und hält als Sündenbock her, wenn gegen Regeln verstoßen wurde. Als verlässlicher Ratgeber hilft er, Vorstellungen von gut und böse, gerecht und ungerecht zu entwickeln. Während Mädchen oft Freunde haben, die ihrer Fürsorge bedürfen, werden Jungen eher von starken Helfern begleitet. So finden sich die Kinder leichter in der Welt zurecht und erarbeiten sich ihren eigenen Platz darin.

SpiegelbildWar man früher besorgt über den Geisteszustand der Betroffenen, weiß man heute, dass vor allem kontaktfreudige, fantasievolle Kinder imaginäre Gefährten erfinden. Das Einfühlen in die Bedürfnisse des Freundes zeugt von ausgeprägter Empathiefähigkeit, die sprachliche Ausformulierung seiner bzw. der eigenen, durch den Freund transportierten Gefühle trainiert die Kommunikationsfähigkeit. Vielen Kindern ist dabei durchaus bewusst, dass ihr Begleiter nicht real ist, dennoch reagieren sie in der Regel trotzig und verschlossen, wenn man sie darauf anspricht.

Eltern wird geraten, den unsichtbaren Freund wie jeden anderen Freund zu behandeln. Darf er mit am Tisch oder im Auto sitzen, ist es im Gegenzug möglich, über Gespräche mit ihm das eigene Kind besser kennen zu lernen und zu verstehen.


Bildnachweise:
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